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Oskar Kokoschka

von Pöchlarn in die Welt

Biographie

Oskar Kokoschka wird am 1. März 1886 in Pöchlarn in Österreich geboren. Sein Vater, Gustav Kokoschka, kommt aus Prag. Die Familie seiner Mutter, einer Försterstochter namens Maria Romana Loidl, stammt aus der Steiermark. Zur Zeit von Oskars Geburt arbeitet der Vater, der eigentlich von Beruf Goldschmied ist, als Vertreter.

Oskar Kokoschka wächst zusammen mit seinen Geschwistern Berta und Bohuslav in Wien auf. Seine Kindheit ost hart und entbehrungsreich, denn das Gehalt des Vaters reicht nicht aus.

Nach dem Besuch der Volksschule in einem Außenbezirk Wiens wechselt Kokoschka 1897 auf die Staatsrealschule in Währing im XVIII. Bezirk Wiens. Hier hat er die Chance, seine Kenntnisse über antike Kunst und Kultur zu vertiefen. Er interessiert sich nicht nur für Malerei, sondern beginnt neben auch zu schreiben.Schon damals zeigt sich das rebellische Temperament Kokoschkas. Weil er gegen die "orthodoxe Lehrweise" protestiert, wird ihm beinahe das Abitur verwehrt.

Das während der Schulzeit entdeckte Talent für Malen und Zeichnen will Kokoschka weiter fördern. Mit Hilfe seines Zeichenlehrers gelingt es ihm, ein Stipendium für die Wiener Kunstgewerbeschule zu bekommen. Während des Studiums hält er sich mit kleinen Aufträgen über Wasser. Er übernimmt die Leitung eines Abendkurses und fertigt druckgraphische Arbeiten an. Im Jahre 1908 hat erhält er den ersten großen Auftrag. Kokoschka soll ein Plakat für den Kaiserhuldigungsfestzug entwerfen. Mit dem erhofften Geldsegen wird es aber nichts. Der Entwurf wird als zu neuartig abgelehnt.

Doch Kokoschka gibt nicht auf. Noch im selben Jahr stellt er bei der ersten "Internationalen Kunstschau" in Wien aus. Der erste Skandal um den Maler Kokoschka nimmt seinen Lauf. Ganz Wien spricht von dem jungen Künstler, der zum "Krach der Kunstschau" wird. Ein Jahr später, bei der zweiten "Internationalen Kunstschau" wiederholt sich das Ganze. Stein des Anstoßes diesmal: das von Kokoschka entworfene Plakat für sein Stück "Sphinx und Strohmann". Der Künstler selbst scheint zufrieden mit dem von ihm verursachten Aufruhr: " Und das Plakat hat die Wiener, wie ich beabsichtigte, in Rage versetzt. (...) ..., denn ich war erbost über die Beleidigungen, die ich jeden Tag in der Presse lesen konnte. Da ich mich wie einen Verbrecher behandelt sah, ließ ich mir den Kopf kahl scheren und wollte als Gezeichneter angesehen werden."

Auch als Dramatiker und Schriftsteller ist Kokoscka zunächst wenig erfolgreich. Sein Schauspiel "Mörder, Hoffnung der Frauen" gilt zwar heute als maßgeblich für die Entwicklung des expressionistischen Theaters, seine Zeitgenossen sehen das jedoch ganz anders. Die Uraufführung des Werkes 1909 jedenfalls provoziert heftigste Ablehnung, die in wilde Beschimpfung umschlägt. "Bürgerschreck, Zuchthauspflanze" und "degenerierter Künstler" sind nur einige Bezeichnungen, die in jenen Tagen durch die Presse schwirren. Als Folge des Skandals wird Kokoschka von der Wiener Kunstgewerbeschule verwiesen. Auch in den nächsten Jahren schlagen dem Künstler nur Missachtung und Unverständnis entgegen.

Schließlich hält es Kokoschka in Wien nicht mehr aus. Er geht zunächst nach München, kurze Zeit später nach Berlin. Dort fängt er beim "Sturm", einer wöchentlichen Kunstzeitschrift, an. Er ist eine Art "Mädchen für alles", arbeitet mal als Hilfsredakteur, Reporter, Zeichner oder Austräger. Während dieser Zeit hat der Künstler seine erste Ausstellung bei dem Galeristen Paul Cassirer. Ein erster Achtungserfolg: Die Ausstellung "hat in der progressiven Berliner Gesellschaft großes Aufsehen erregt, allerdings in einem anderen Sinn als in Wien".

Obwohl seine Bilder in Deutschland anerkannt werden, zieht es Kokoschka 1911 zurück nach Wien. Ein Jahr später begegnet er der sieben Jahre älteren Alma Mahler, einer Frau, die ihn tief beeindruckt. "Ich war fasziniert von ihrer Erscheinung, jung, in Trauer ergreifend, weil sie schön und so einsam war (...) Eine sehr passionierte Beziehung begann nun, sie hat drei Jahre lang angehalten." Bereits 1914 zeigen sich die ersten Risse in dieser Beziehung. Der eigenständige Entschluß Almas, eine Abtreibung vornehmen zu lassen, belastet die Verbindung schwer. Kurze Zeit später trennen sich die beiden endgültig.

Enttäuscht und verletzt meldet sich Kokoschka als Kriegsfreiwilliger zum Militärdienst. Er kommt nach Galizien und wird bei einem Hinterhalt durch einen Bajonettstich in die Lunge schwer verletzt. Zu den körperlichen Beschwerden kommen seelische Probleme, hervorgerufen durch die Trennung von Alma. "Manchmal brach meine Erinnerung an die Vergangenheit so stark hervor, daß ich die Frau ( Alma Mahler ), von der ich mich so schwer getrennt hatte, leibhaftig vor mir sah".

Kaum genesen kehrt er an die Front zurück und wird erneut schwer verwundet. Seine Verletzungen werden mit elektrischem Strom und Röntgenstrahlung behandelt. In der Folgezeit leidet Kokoschka unter schweren Depressionen. Der Maler flieht aus Wien und sucht erneut Zuflucht in Deutschland. Auf Veranlassung eines Freundes macht er 1916 einen Zwischenstopp in Dresden und entschliesst sich, längere Zeit zu bleiben. Er macht die Bekanntschaft Walter Hasenclevers, eines expressionistischen Dramatikers und der Schauspielerin Käthe Richter. Sie wird Kokoschkas meistporträtiertest Modell. Sein Freund Hasenclever vemittelt ihm einen Regie- und Bühnenbildnerauftrag beim "ALBERT-Theater" am Albertplatz in der Dresdner Neustadt, wo seine frühen Stücke "Mörder, Hoffnung der Frauen" und "Sphinx und Strohmann" (jetzt unter dem Titel "Hiob") aufgeführt werden. Anders als noch in Wien ist die Reaktion positiv. So gibt es beispielsweise eine ermutigende Besprechung in der Zeitschrift "Das Kunstblatt". Auch als Maler hat Kokoschka wieder Erfolg. Im Leipziger Kurt Wolff - Verlag wird eine Reihe seiner Arbeiten veröffentlicht.

Nach einem Aufenthalt in Schweden kehrt er 1918 mit der Bestätigung seiner Kriegsdienstuntauglichkeit nach Dresden zurück. Bereits ein Jahr später stellt sich der schon so lang erhoffte große Erfolg ein. Der Studienrat der Dresdener Akademie der Bildenden Künste beruft ihn im Spätsommer zum Professor. Eine Aufgabe, die Kokoschka mit Freuden annimmt. Am 1. Oktober 1919 tritt er seine Professur an mit dem Ziel, "die Menschen zu lehren, wieder mit eigenen Augen zu sehen". Kokoschka entschließt sich, sein Wandererdasein fürs erste aufzugeben. Er bezieht ein Atelier in einem der Kavaliershäuser im Großen Garten (Brühlsche Terrasse). In seinem neuen Domizil entstehen bis 1923 die Elbe- und Dresdenansichten, die auch kommerziell ein Erfolg sind. Überhaupt scheint das deutsche Publikum größeren Gefallen an dem Maler zu finden als seine Landsleute. Der Maler Anton Faistauer meint gar, Kokoschka sei "heute die prominenteste Erscheinung unter den Malern, nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland".

Einer seiner größten Bewunderer ist Paul Westheim, ein in den vermögenden Kreisen Dresdens gern gesehener Gast. Er nutzt all seine Verbindungen, um Kokoschka zu fördern. Als Herausgeber der Zeitschrift "Das Kunstblatt" besitzt er den nötigen Einfluß, um dessen Kunst bekannt zu machen. Westheim ist es auch, der 1918 die erste Kokoschka-Monographie veröffentlicht.

Die Dresdener Zeit ist im nachhinein als eine Zeit der Veränderung im Schaffen Kokoschkas zu sehen. Er entfernt sich immer mehr von der Porträtmalerei der Wiener Jahre. Stattdessen entstehen Landschaftsbilder¸ Aquarelle und Buchillustrationen. Diese Neuorientierung wird nicht nur positiv bewertet. Vielen Kritikern fehlte der Bezug zu sozialen Phänomenen oder Spannungen; das, was provozieren und Widerspruch auslösen könnte. Gerade die ersten Aquarelle Kokoschkas, die aus jener Zeit stammen, finden in der Fachwelt keine Gnade. Sogar der treue Westheim lehnt sie ab. Ganz anders das Publikum. Ebenso wie Kokoschkas Zeichnungen werden die Aquarelle ein Verkaufsschlager.

Dennoch ist Kokoschka nicht zufrieden. 1923 packt er seine Koffer, um Dresden zu verlassen. Fast zehn Jahre lang ist er nun auf Reisen. Zehn Jahre, in denen er die ganze Welt sieht. Italien, Frankreich, England, Irland, Nordafrika, Israel und Istanbul sind nur einige Stationen einer nicht enden wollenden Wanderschaft. Finanzielle Nöte zwingen ihn schließlich 1931 zu einer Rückkehr nach Wien, wo er sich mit Porträts über Wasser hält.

Dann das Jahr 1933. Die Machtübernahme der Nazis bleibt auch für Oskar Kokoschka nicht ohne Folgen. Der Austritt Max Liebermanns aus der Akademie der Künste zwingt ihn zu einer Stellungnahme. In einem offenen Brief an die "Frankfurter Zeitung" tritt er für seinen Freund ein. Das bleibt nicht ohne Folgen. In den von der NSDAP organisierten Ausstellungen in Mannheim, Karlsruhe, Dresden, Chemnitz, Ulm und Breslau werden seine Bilder als Beispiele "entarteter Kunst" gebrandmarkt. Auch in der Folgezeit betreiben die Nationalsozialisten eine konsequente Verleumdung und Verunglimpfung seines Werkes. Einige seiner Arbeiten werden als "Fieberphantasien eines Geisteskranken" diffamiert.

Kokoschka fühlt, dass er in Österreich nicht länger sicher ist. Er flieht 1934 nach Prag, wo er Olga Palkovská kennen lernt. Doch auch aus seiner neuen Heimat wird er bald vertrieben. 1938 sucht er Zuflucht in London. Der Neubeginn dort ist schwierig, denn anders als in Deutschland ist Kokoschka hier noch ein Nobody. Was sich aber schnell ändern soll. Die Londoner Zeit ist sicher eine der aktivsten Schaffensperioden Kokoschkas. Neben Naturstudien, Radierungen und Porträts entstehen auch wieder Erzählungen. Immer wieder mischt sich der Maler mit Gemälden oder Essays in die aktuelle politische Diskussion ein. Im Privatleben festigt sich die Beziehung zu Olga Palkovská, die er 1941 in einem Luftschutzbunker heiratet.

Sofort nach Ende des 2. Weltkriegs nimmt Kokoschka sein Pendlerdasein wieder auf. Mal lebt er kurz in Wien, mal in England oder den USA. Erst 1953 , im Alter von 67 Jahren, wird er sesshaft. Er eröffnet mit Hilfe des Salzburger Galeristen Friedrich Welz auf der Feste Hohensalzburg seine "Schule des Sehens" als "Internationale Sommerakademie für bildende Künste". Im Spätsommer des selben Jahres lässt er sich endgültig in der "Villa Delphin" am Genfer See nieder.

In dieser Zeit nimmt er wieder die Beschäftigung mit einer alten Leidenschaft auf: der Musik. Er entwirft Bühnenbilder und Kostüme für Mozarts "Zauberflöte" und "Ein Maskenball" von Verdi.

Bald jedoch ist die körperliche Belastung zu groß. Beschwerden zwingen ihn, den Lehrauftrag an seiner Salzburger "Schule des Sehens" aufzugeben. Die Privatschule wird daraufhin in eine staatliche Akademie umgewandelt. In den siebziger Jahren verschlimmert sich sein gesundheitlicher Zustand dramatisch. Eine Verschlechterung des Augenlichts macht dem Künstler mehr und mehr zu schaffen. Eine Augenoperation 1975 verschafft ihm etwas Erleichterung und ermöglicht ihm, sein Werk fortzusetzen. Nur ein Jahr später entsteht das letzte Selbstporträt des inzwischen 90 jährigen Kokoschka. Am 22. Februar 1980 stirbt er in einem Krankenhaus in Montreux.

Zum hundertsten Geburtstag Oskar Kokoschkas 1986 erinnerte eine große Werkschau, die in London, Zürich und New York zu sehen war, an den Künstler, der dem Idealbild vom Universalgenie so nah kam.