Stadt Pöchlarn
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Stadtgeschichte

Chronik von Pöchlarn

Sowohl im Norden, bei Klein Pöchlarn, als auch im Süden des Pöchlarner Beckens bei Harlanden siedelten in der Jungsteinzeit, etwa um 4000 vor Christus, Menschen, welche bereits mit Produkten aus den Serpentinsteinbrüchen von Klein Pöchlarn Tauschhandel betrieben. Das heutige Stadtgebiet dagegen war von Donau und Erlauf umflossen und bildete eine Insel mit einem sehr wichtigen Donauübergang. Die  Siedlungen am Südrand unseres Raumes blieben auch nach der Einwanderung der Illyrer, um ca. 1800 vor Christus, weiter bestehen. Illyrischer Herkunft ist auch der Name der Erlauf "Arilapa" (Adlerfluss), der später abgewandelt als "Arelape" das römische Kastell und die römische Zivilstadt bezeichnet.

Durch die Eroberung des Königreiches Noricum um 15 v.Chr. drangen die Römer bis zur Donau vor und sicherten die Donaugrenze den "Limes" mit dem Bau von Straßen und Kastellen gegen die im Norden wohnenden Germanen.

Als eines dieser neuen Kastelle entsteht zur Zeit des Kaisers Tiberius auf der Donauinsel ein kleines Infanterielager, dessen Umrisse wahr­scheinlich den Bereich Thörringplatz, Kircheplatz, Weigelspergergasse umfasste.

Die Markomannen brachen im Jahre 166 nach Christus über die Donau nach Süden vor und zerstörten die Grenzbefestigungen. Kaiser Mark Aurel gelang bis 180 nach Christus die Rückeroberung und konnte die Markomannen wieder über die Donau zurücktreiben. Die Donau- bzw. Limesbefestigungen wurden neu und stärker wiedererrichtet. Die 2.Legion "Italica" wurde an die Donau verlegt und bezog Quartiere von Schlögen, ÖO., bis Tulln mit dem Hauptstützpunkt Lorch ( Enns-Albing). Das Kastell Arelape wurde nach Westen erweitert, anstatt der Infanterie garnisonierte nun hier eine Kavallerieeinheit.

Mit dem Verfall des Römischen Reiches und dem Verlust von Gebieten in Pannonien wird " Arelape" 395 auch Sitz des Kommandanten der Donauflottillie.

Im 5.Jahrhundert wird unser Gebiet immer mehr zum Durchzugsland der verschiedenartigsten germanischen Völker, die von den Hunnen nach Westen getrieben werden.

Um die Mitte des 6.Jahrhunderts bricht ein neues mongolisches Reitervolk, die Awaren, in unseren Raum vor. Von Süden und Osten sickern die Slawen in Niederösterreich ein.

Um 670 beginnt der Gegenstoß der Bayern von Westen her, sie erreichen die Erlauf und Melk um ca. 700. Um diese Zeit entsteht wahrscheinlich das Dorf Ordning als bayerische Siedlung.

Als Karl der Große um 800 die awarische Herrschaft vernichten kann, wird die erste - karolingische - Ostmark errichtet. Am 6.Oktober 832 schenkte der Enkel Karl des Großen, König Ludwig der Deutsche, dem Bistum Regens­burg (St. Emmeram) das Gebiet um die "Heri1ungoburg" die spätere Hofmark Pöchlarn mit den Orten Pöchlarn, Brunn, Harlanden, Steinwand, Röhrapoint, Knocking, Ornding und Wörth.

Mit der Erwerbung durch Regensburg beginnt die systematische Kolonisation und Erschließung unseres Raumes. Sie wird durch den Einbruch der Ungarn um 900 noch einmal unterbrochen und kann erst mit der Schlacht am Lechfeld  955, um 970 und der Errichtung der zweiten - ottonischen Ostmark - wiedererlangt werden. In diese Zeit fällt auch die vermutete Herrschaft des sagenumwobenen "Rüdiger von Bechelaren" aus dem Nibelungenlied.

971 unternimmt der Heilige Wolfgang mit dem Passauer Bischof Pilgrim eine Missionsreise ins Alpenvorland und nach Ungarn. 972 wird Wolf­gang Bischof von Regensburg und errichtete von 976 bis 979 die Festung Wiesel­burg und die Pfarre Steinakirchen. Pöchlarn wird allmählich Mittelpunkt des regensburgischen Herrschaftsgebiets und hat kurz nach 1000 bereits eine marktähnliche Position erreicht. Um 1200 ist Pöchlarn bereits zur Stadt geworden, 1209 wird sie "uni-versitas burgensium in Pechlarn" (die Bürgergemeinde von Pöchlarn) genannt. Eine eigentliche Stadterhebung ist nie erfolgt. Am 26.Mai 1267 stellte Bischof Leo Tundorfer von Regensburg in Pöchlarn ein Urkunde aus, in der Pöchlarn erstmals als "Stat ze Bechlaren" genannt wird.

Am 9.September 1334 wird in Anwesenheit des Regensburger Bischofs Niko­laus von Ybbs das erste Einkünfteverzeichnis erstellt und die Besitzungen der Hofmark und die Besitzungen im großem und kleinem Erlauftal - wie Gresten, Perwart, Steinakirchen und Lunz usw. aufgezeichnet. Infolge der misslichen Finanzlage wird die Hofmark in den folgenden Jahr­hunderten oft an Gläubiger verpfändet. Das 16.Jahrhundert bringt die Blütezeit der Stadt durch regen Handel, vor allem mit Eisen aus dem Erzberg, das über die "Dreimärktestraße" Gresten, Scheibbs und. Purgstall nach Pöchlarn gelangt und mautfrei auf dem Land- und Wasserweg weiterbefördert wurde.

Auch der Weinhandel spielt bis ins 19.Jahrhundert für Pöchlarn eine wichtige Rolle. Der Raum Melk-Ybbs war vom 14. bis ins 19.Jahrhundert ein ergiebiges Weinbaugebiet.

Die Türkeneinfälle von 1529 und 1532 brachten der Stadt selbst kaum Schäden, wohl aber den umliegenden Orten der Hofmark. Die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges auf Pöchlarn waren durch Truppendurchmärschen, ungeheuren Steuerlasten, starkem Rückgang des Handels und der enormen Geldentwertung gekennzeichnet. 1632 flüchtet der Regensburger Bischof Albert IV., Graf Thörring zu Stein und Perten-stein, vor den Schweden in die Hofmark Pöchlarn. Für seine freundliche Aufnahme lässt er als Dank 1640 den Wolfgangs- und den Marienbrunnen errichten und die Stadtmauer instandsetzen. Im Spanischen Erbfolgekrieg stellte sich der Regensburger Bischof auf die Seite der Gegner Österreichs, dadurch wurde die Hofmark 1703 bis 1708 Kriegsbeute des Kaisers. Misswirtschaft der Beschlagnehmer nahm den Bürgern den Wohlstand fast vollkommen.

Hochwässer, Eisstöße und Brände machten der Stadt arg zu schaffen, so auch der Großbrand 1766, bei welchem die Stadt, die untere Vorstadt, die Pfarrkirche, der Karner, das Schloss und die Peterskirche eingeäschert wurden. Die Bevölkerung hatte Jahre mit dem Wiederaufbau zu kämpfen. 1805 und 1809 wurde Pöchlarn von den Franzosen besetzt, hohe Kriegssteuern und Plünderungen schädigten die Stadt und ihre Umgebung schwer. 1803 bzw. 1810 endete die fast tausendjährige Herrschaft des Bistums Regensburg durch den Reichsdeputationshauptschuss. Die Herrschaft Pöchlarn wurde 1811 vom K.u.K Cameralfonds eingezogen und nach unwirtschaftlicher Verwaltung 1823 an den Baron Bors von Borsod abgegeben, welcher 1900 die Herrschaft an Baron Tinti weiterverkaufte. Durch die Märzrevolution 1848 wurde der Untertanenverband aufgehoben und die Stadt wurde eine autonome Gemeinde.

Mit der Eröffnung der Westbahn 1858 beginnt ein langsamer Wiederaufstieg. 1877 wurde die Bahnstrecke Pöchlarn – Kienberg - Gaming in Betrieb genommen, so wurde Pöchlarn Umschlagplatz für landwirtschaftliche und industrielle Produkte des Erlauftales.

Am 1.März 1886 erblickt der große Maler Oskar Kokoschka in Pöchlarn das Licht der Welt.

Der 1.Weltkrieg brachte mit dem Zerfall der Donaumonarchie und den Ver­lust des östlichen Wirtschaftsraumes die erste Republik in eine schlechte Ausgangslage die eine Krisensituation heraufbeschwor, welche auch den Auf­stieg der Stadt in Grenzen hielt.

Der Anschluss ans "Deutsche Reich" brachte für die Stadt Pöchlarn kaum Aufschwung, sondern viel Kummer und Leid durch den 2.Weltkrieg.

Am 8.Mai 1945 besetzten russische Truppen Pöchlarn und trafen in Erlauf auf amerikanische Truppen.

Nach 10-jähriger Besatzung war 1955 Österreich wieder frei und der begonnene Wiederaufbau konnte rascher voranschreiten.

Der wirtschaftliche Aufstieg der Stadt Pöchlarn ging stetig voran, Gewerbe- und Industriebetriebe siedelten sich im Räume Pöchlarn an und bauten ihre Kapazitäten rasch aus.

Durch den Bau des Donaukraftwerkes Melk in den Jahren 1979 bis 1981 änderte sich Pöchlarn enorm und die gefürchteten Überschwemmungskatastrophen werden in Hinkunft von Pöchlarn ferngehalten werden. Auch die verbesserten Verkehrsbedingungen durch Bahnunterführungen, Autobahnanschluss und die im Herbst 2001 freigegebene Donaubrücke werden wesentlich zur steten Weiterentwicklung Pöchlarns beitragen.